Tag der Lehre: Quo vadis, Medizinstudium?

Was lernen die Ärzte von morgen? Wie gestaltet sich das Studium der Medizin in Zukunft? Der Tag der Lehre der Medizinischen Fakultäten in NRW, der vom 22. bis zum 23. Juni 2017 in Bonn stattgefunden hat, brachte den Teilnehmern viele neue Erkenntnisse. Die Veranstaltung machte aber vor allem eines deutlich: Das Medizinstudium steht vor einem Umbruch.

Es war ein tropisch warmer Tag in der ehemaligen Bundeshauptstadt. Etwa 100 Vertreter der Medizinischen Fakultäten des Landes NRW sind nach Bonn angereist, um über die Entwicklungen im Medizinstudium zu diskutieren. Auf ein Netzwerktreffen der Studiendekane, Studiendekanatsmitarbeiter und der Studierenden folgten am nächsten Tag drei Vorträge im Rahmen des Tages der Lehre. Thema: Perspektivenwechsel. Wie kann das Medizinstudium besser funktionieren? Was kann zukünftig anders gedacht werden? Der 2017 auf Bundesebene beschlossene Masterplan Medizinstudium 2020 definiert zwar mit zahlreichen Maßnahmen die Weichen der Ausbildung, die Ergebnisse der Arbeitsgruppen liegen jedoch frühestens in einem Jahr vor. Welche Veränderungen dann genau passieren, ist noch ungewiss. Aber auch für Bonn heißt das: Das Medizinstudium wandelt sich und die Kliniken müssen ihre Ausbildungsstrategien neu gestalten.

Einer der Organisatoren und Referenten des Tages der Lehre begleitet und gestaltet diesen Wandel mit. Dr. Bernhard Steinweg, Arzt und Referent für Weiterbildung und Curriculumsentwicklung sowie Master of Medical Education (MME) am Uniklinikum Bonn, beschäftigt sich bereits mit der Frage, wie die Studierenden früher an den Patienten herangeführt werden können. Des Weiteren gilt es zu eruieren, wie der von den Ärzten gestaltete Unterricht viel effizienter mit Blick auf den Klinikalltag und didaktisch optimiert werden kann. „Wie können wir diesen Spagat zwischen dem immer dichteren Klinikalltag und immer weniger Mitarbeitern schaffen? Wie sollen die Rahmenbedingungen für eine gute Lehre aussehen?“, fragt sich Dr. Steinweg und räumt gleichzeitig ein: „Das wird eine große Herausforderung in ganz Deutschland werden. Aber insbesondere am Standort Bonn, weil wir anders als andere Fakultäten in NRW noch nicht so weit sind, was neuere Studienmodelle betrifft.“

Daher freut sich der Referent für Curriculumsentwicklung über die positiven Rückmeldungen zum Tag der Lehre. Neu an der Veranstaltung waren diesmal die Workshops am Nachmittag. Es ging um die Themen wie Studierendenauswahl, Vermittlung von praktischen Fertigkeiten, Prüfungsmethoden oder interprofessionelle Ausbildung mit Simulationspatienten. „Wir haben uns darüber hinaus das Praktische Jahr (PJ) angeguckt und werden jetzt NRW-weit ein Netzwerk gründen“, erzählt Dr. Steinweg. Nach seiner Vorstellung soll Bonn mit dem Innovationscluster PJ in NRW die treibende Kraft für die Weiterentwicklung des Praktischen Jahres an den Fakultäten und in den Kliniken sein.

Dr. Steinweg verzeichnet ebenfalls gute Signale aus der Politik. So brachte der Tag der Lehre einen regen Austausch mit dem Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentages Dr. Frank Wissing. Darüber hinaus findet im November ein Treffen in Berlin statt, wo die Logbücher für das Praktische Jahr einheitlich überarbeitet werden. Die NRW-Fakultäten wollen dazu eigene Vorschläge machen. Dr. Steinweg fasst zusammen: „Wir wollen schon die Entscheidungen auf der politischen Ebene mit unserem Engagement beeinflussen. Wir haben viel Neues aufgezeigt, weitere Treffen verabredet und müssen schauen, wie weit unsere Ideen von den einzelnen Gremien auf Bundesebene aufgegriffen werden.“

Dennoch gibt es – wie bei jedem anderen großen Projekt – Hürden zu bewältigen. Zum Beispiel die Finanzierung. „Die Fakultäten können die Reform nicht mitfinanzieren, denn es handelt sich hier um große Veränderungen“, erläutert Dr. Steinweg. Daher bedürfe es eines sinnigen Finanzierungskonzeptes. Eine Expertenkommission auf Bundesebene habe nun ein Jahr Zeit, um dazu konkrete Konzepte zu entwerfen. Die Ergebnisse sollen 2019-2020 vorgelegt werden.

Für Dr. Steinweg war es auch wichtig, dass die Studierenden zu Wort kommen. Darum wurde das beste studentische Lehrprojekt mit einem Lehrpreis ausgezeichnet. „Es war toll zu sehen, was mit studentischem Engagement auf die Beine gestellt werden kann. Die Studierenden sollen sich beteiligen und in die Gestaltung der Lehre eingebunden werden“, glaubt der MME Referent. Ein weiteres Ergebnis ist, dass der Tag der Lehre nun jährlich stattfindet und nicht alle zwei Jahre wie früher.


Artilkel im General Anzeiger „Auf dem Weg zum Arzt der Zukunft“:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/wissen-und-bildung/hochschulen/Auf-dem-Weg-zum-Arzt-der-Zukunft-article3590637.html

Video-Beitrag des Uni Bonn TV „Lehre in der Medizin: immer weiter besser werden“:
https://www.youtube.com/watch?v=_DBUkhiSVvo

Website Tag der Lehre:
www.lama-nrw.de/tdl