Die geheime Unterwelt des UKB: Das Heizkraftwerk

Das Universitätsklinikum Bonn mit fast 8.000 Mitarbeitern verbraucht täglich enorme Mengen an Strom, Wärme, Kälte, Dampf und Luft. Damit der Bedarf gedeckt und der tägliche Betrieb reibungslos funktioniert, stellt sich das Team vom Energiemanagement jeden Tag neuen Herausforderungen.

Es ist 6:30 Uhr in der Früh. Die Rufbereitschaft eines Mitarbeiters endet mit der gemeinsamen Besprechung der Vorfälle aus den letzten 15 Stunden. Die Schicht verlief reibungslos. Dafür ist unter anderem Wilfried Lülsdorf, Leiter der Abteilung operative Sonderanlagen, verantwortlich. Der 57-Jährige ist seit neun Jahren am UKB tätig. Bevor es ans Uniklinikum Bonn ging, hat er als technischer Leiter in einem Siegburger Krankenhaus gearbeitet. Jeden Tag kommen neue Herausforderungen auf sein Team zu, dennoch ist er zufrieden. „Weil wir einen total aufregenden Arbeitsplatz haben“, lächelt der gelernte Mess- und Regelmechaniker. Dabei ist vielen nicht bewusst, wie hochkomplex die Energieversorgung des Uniklinikums ist.

Zwölf Meter unter der Erde. Wie ein Venensystem erstreckt sich das Kanalnetz über ein Tunellabyrinth. Fast elf Kilometer Rohre winden sich entlang der Wände. Bei den Rundgängen, die vom Energiemanagement-Team organisiert werden, erlebt man die spannenden Unterwelten des UKB. Hier unten wird klar, warum die Behebung von auftretenden Problemen so kompliziert und teils langwierig sein kann. Eine Vielzahl an Faktoren muss geprüft werden, um Fehler zu identifizieren. „Unsere Handwerker und Ingenieure haben einen 24/7 Bereitschaftsdienst, sodass 365 Tage jemand im Ernstfall zur Verfügung steht. Sie sind die wichtigsten Mitarbeiter in unserem Team“, betont Thomas Grund, Leiter für strategische Sonderanlagen im Energiemanagement.

Täglich werden alle Gebäude des UKB mit notwendiger Wärme im Winter, Kühle im Sommer, Strom, Luft und Dampf versorgt. Und so sieht es konkret aus:

Strom. Mit einem Jahresverbrauch von ca. 50.000.000 kWh, welches etwa 16.600 3-Personenhaushalte entspricht, ist die Größe des neuen Blockheizkraftwerks (BHKW) für ein Klinikum in Deutschland bemerkenswert. „Da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal hingekriegt“, sagt Thomas Grund. Die Umwelt müsse bei solchen Größen eine wichtige Rolle spielen. Dazu werde neben den Umweltauflagen in alternative Energiequellen investiert, führt der Ingenieur aus. Er ergänzt zugleich, dass durch neue Gesetze und Auflagen das Uniklinikum verpflichtet sei, gewisse Standards zu wahren. Als öffentlicher Bauherr erfülle man eine Vorbildfunktion im Rahmen des Klimaschutzgesetzes NRW. Dies gehe außerdem einher mit unserem Unternehmensleitbild. 2012 wurden das UKB mit dem „Green Award“ ausgezeichnet. Dabei ist nicht nur das 1999 eingerichtete BHKW mit einer Kraftwärmekopplungseinheit umweltfreundlich, zusätzlich hat das UKB 2012 eine thermische Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Zentrums für Integrierte Medizin (ZIM) installiert.  Weitere Photovoltaik-Anlagen sind auf den Neubauten des NPP (Klinik für Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik), des Eltern-Kind-Zentrums (ELKI) und auf dem Dach des Biomedizinischen Zentrums 2 (BMZ 2) geplant. „Die neuen Bauten und Umbauten werden energetisch auf einem hohen Level betrieben. Dadurch lassen sich ebenfalls jährlich mehrere hunderttausend Euro einsparen“, so Grund.

Luft. In den Operationssälen des Operativen Zentrums (OPZ) wird gereinigte, frische und keimarme Luft gebraucht. Dazu wird die Luft in großen Ansauganlagen angesaugt, gefiltert und in die OP-Säle transportiert. Allein das OPZ braucht 364.000 m3 Luft jede Stunde. Das entspricht 73 Heißluftballons. In einem Jahr könnte man ca. 639.000 Heißluftballons mit der im OPZ eingeführten Luft füllen.

Wärme. In der kalten Jahreszeit werden wieder die Heizungen aufgedreht. Mit der Kraftwärmekopplungseinheit des BHKWs lässt sich Wärme für etwa 7.100 Haushalte erzeugen. Dies entspricht dem Bedarf des Uniklinikums.

 Kälte. Durch die Kraftwärmekopplung kann das Energiemanagement-Team Freikühlung fahren. Die Anlagen werden nur aus der Umwelt auch im Sommer zurückgekühlt. Eine Kältemaschine ist somit überflüssig. Durch diesen effizienten Mechanismus können Energiekosten für Kälte gering gehalten werden.

 Dampf. Dem Dampft kommt eine größere Bedeutung zu als man zunächst annimmt. Am UKB wird er neben dem Einsatz in der Mensaküche auch in der zentralen Sterilisationsanlage gebraucht.

 

Energie sparen wie zu Hause

Thomas Grund resümiert: „Die gemäß Masterplan gesetzten CO2-Einsparziele bis zum Jahr 2030 und 2050 sind sehr ambitioniert und eine sportliche Herausforderung.“ Zwar werden technische Geräte tendenziell energiesparsamer, allerdings steige auch die Anzahl der technischen Geräte im medizinischen und nicht medizinischen Bereich. Dieser erhöhte Bedarf an Geräten gleiche den technischen Fortschritt dennoch nicht aus, sagt der Energieexperte.

Dennoch mahnen er und sein Team vom Energiemanagement alle Mitarbeiter am UKB: „Mit denselben Regeln wie zu Hause kann jeder helfen, Strom- und Wärmekosten einzusparen und damit nicht nur dem UKB finanziell entgegenzukommen, sondern auch seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“. Alles was nicht im Heizkraftwerk produziert werden müsse, sei eine hundertprozentige Einsparung.

Rundgang Medienkanäle – Unterwelten des UKB:

Neue Rundgänge werden voraussichtlich ab Juli/August angeboten. Weitere Informationen dazu erhalten Sie unter: energie.report@ukb.uni-bonn.de