Erfinder der Universität Bonn gewinnen beim Hochschulwettbewerb „Zukunft Erfinden NRW“ + + + mehr:

Notausschalter für die Gerinnungshemmung entwickelt

Für ihre Erfindung eines Mittels, das die Wirkung gerinnungshemmender Mittel kurzfristig außer Kraft setzen kann, sind Prof. Dr. Bernd Pötzsch, Prof. Dr. Günter Mayer und Privatdozent Dr. Jens Müller von der Universität Bonn heute von NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze im Rahmen einer Festveranstaltung in Bochum ausgezeichnet worden.


Die drei Bonner Wissenschaftler erhielten den Preis in der Kategorie Lebenswissenschaften des Hochschulwettbewerbs „Zukunft Erfinden NRW“ für ihre Erfindung „Universelles Antidot gegen alle direkten Thrombin-Hemmer“. Bei einer plötzlich auftretenden Blutung kann sich der langfristige medizinische Nutzen gerinnungshemmender Mittel kurzfristig in ein Risiko für den Patienten verwandeln. Das von ihnen erfundene Mittel kann die Gerinnungshemmung wie ein „Notausschalter“ für einige Zeit unterbrechen.

Mit dem Hochschulwettbewerb „Zukunft Erfinden NRW“ ehren die Patentvermarktungsgesellschaft der NRW-Hochschulen PROvendis GmbH, das Wissenschaftsministerium und der NRW-Patentverbund seit mehr als zehn Jahren Wissenschaftler für ihre innovative Arbeit. Eine Jury unter dem Vorsitz des Geschäftsführers des Industrieverbandes VDMA NRW, Hans-Jürgen Alt, wählte die Bonner und zwei weitere Gewinner-Gruppen aus insgesamt 156 Bewerbungen aus und honoriert damit deren hohe Innovationskraft. Die Preisträger hätten mit ihren Ideen Grundlagen für Zukunftstechnologien geschaffen, so die PROvendis GmbH. Die prämierten Innovationen seien auf dem besten Weg, praktische Anwendung zu finden.

Substanz unterbricht Wirkung von Gerinnungshemmern

Bei der Erfindung der drei Bonner Wissenschaftler handelt es sich um die Entwicklung eines so genannten Antidots, einer Substanz zur Unterbrechung der gerinnungshemmenden Wirkung von Thrombin-Hemmern. Zur Vermeidung von Thrombosen und Schlaganfällen sind viele Patienten auf die tägliche Einnahme von solchen Medikamenten angewiesen, die aber gleichzeitig durch ihre gerinnungshemmende Wirkung das Blutungsrisiko erhöhen. Treten Blutungskomplikationen auf, ist eine schnelle Unterbrechung der gerinnungshemmenden Wirkung erforderlich. Von der Arbeitsgruppe an der Universität Bonn wurde jetzt mit Aptathrombin eine Substanz entwickelt, mit der die Wirkung von direkten Thrombin-Hemmern, aufgehoben werden kann. In wissenschaftlichen Experimenten konnten die Bonner Wissenschaftler zeigen, dass nach intravenöser Gabe dieses aus einer Protein- und einer Oligonukleotid-Komponente bestehenden Hybridmoleküls die gerinnungshemmende Wirkung des Wirkstoffs Dabigatran kurzfristig neutralisiert werden kann.

Prof. Dr. Bernd Pötzsch ist als Oberarzt am Institut für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Bonn tätig, Privatdozent Dr. Jens Müller hat dort die technische Leitung des Gerinnungslabors/HLA-Labors inne. Prof. Dr. Günter Mayer leitet die Arbeitsgruppe Chemische Biologie & Aptamere am LIMES-Institut der Universität Bonn.

Breites Fächerspektrum fördert Entstehen von Innovationen

Der Rektor der Universität Bonn, Prof. Dr. Michael Hoch, freute sich über die Nachricht aus Bochum: „Ich gratuliere den drei Preisträgern sehr herzlich zu dieser hoch verdienten Ehrung. Ihre Auszeichnung ist darüber hinaus eine klare Bestätigung für die erfolgreichen Bemühungen der Universität Bonn, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die Praxis zu transferieren. Sie zeigt auch, wie das breite Fächerspektrum einer Volluniversität das Entstehen von Innovationen fördert: Erst durch die Zusammenarbeit zweier Forschergruppen mit ganz unterschiedlichen Expertisen wurde die Entwicklung dieses völlig neuen Wirkstoffs möglich. Die Erfindung hat große Bedeutung für Mediziner und Patienten, aber auch für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.“

Der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Bonn, Prof. Dr. Wolfgang Holzgreve, sagte: „Die Gerinnungsambulanz am Universitätsklinikum Bonn hat die höchste Zahl von Patienten in Europa. Wir freuen uns, dass diese Spitzenleistung in der Krankenversorgung der Forschung sehr erfolgreich dienen konnte. Die preisgekrönten Forschungsergebnisse können dann umgekehrt sofort Patienten wieder im Alltag weiterhelfen.“

Hinweis für die Redaktionen: Druckfähiges Bildmaterial, Erfinderprofile mit Hintergrundinformationen zu den Preisträgern und den Erfindungen aller nominierten Wissenschaftler finden Sie im Internet am 24.09.2015 ab ca. 18.00 Uhr hier: http://provendis.info/leistungen/hochschulwettbewerb/finalisten-lebenswissenschaften/

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